Vico Torriani, 1960
Autogramm von Vico Torriani
Autogramm von Vico Torriani
Werbeplakat, 1950 (gemalt von Erich Dittmann)
Vico Torriani bei einem TV-Auftritt 1969
Grabstätte von Vico Torriani auf dem Zentralfriedhof von Lugano

Ludovico Oxens „Vico“ Torriani (* 21. September 1920 in Genf; † 26. Februar 1998[1] in Agno) war ein Schweizer Schlagersänger, Schauspieler, Showmaster und Kochbuchautor.

Leben

Torriani wurde als Sohn eines Reit- und Skilehrers geboren und wuchs in St. Moritz und Oberrüti auf. Nach der Schule lernte er Konditor, Koch und später noch Kellner. Bereits als 15-Jähriger gab er private Konzerte. Später betätigte er sich als selbständiger Gastwirt, unter anderem in Basel, und machte sich als Autor von Kochbüchern einen Namen. Zwischen 1978 und 1983 führte er das Restaurant Bonne Auberge am Spalenring in Basel.

Wie erst 2017 bekannt wurde, lebte Torriani gemäss amtlichen Unterlagen zwischen 1929 und 1933 zusammen mit seiner Schwester Sonia als „Kostkind“ (Verdingkind)[2] auf einem Bauernhof in Oberrüti.[3]

Torrianis Frau Evelyne Torriani-Güntert (* 17. Juni 1930; † 28. April 2010), mit der er seit 1952 verheiratet war,[4] stammte aus Basel. Das Ehepaar hatte die beiden Kinder Nicole und Reto. Torriani starb 1998 im Alter von 77 Jahren. Seine Witwe widersprach Presseberichten, er sei an Krebs gestorben.[5] Sein Urnengrab befindet sich auf dem Hauptfriedhof in Lugano.

Karriere

Sänger

Während seiner Militärdienstzeit 1939 bis 1945 zeigte Torriani bei Kameradschaftsabenden erstmals musikalische Ambitionen. 1945 siegte er bei einem Talentwettbewerb und tingelte danach durch ganz Europa. 1946 erhielt er sein erstes Festengagement. 1949 hatte er in der Schweiz seinen ersten Hit Silberfäden. 1951 kam der erste grosse Erfolg in Deutschland mit Addio, donna grazia. Danach nahm Torriani zahlreiche Schallplatten mit Schlagern in verschiedenen Sprachen auf. Für sein Lied Kalkutta liegt am Ganges erhielt er die Goldene Schallplatte. Der Titel ist allerdings irreführend. Die indische Stadt Kalkutta liegt am Fluss Hugli, der zwar zum Gangesdelta gehört, aber etwa 320 km westlich vom Hauptstrom des Ganges in den Golf von Bengalen fließt.

In den 1950er und 1960er Jahren trat er in zahlreichen Musikfilmen, Operetten und Musicals auf. Er gab Gastspiele in vielen Ländern, darunter auch im Iran. 1964 schien seine Plattenkarriere zunächst vorbei. 1966 sang er das Lied der ARD-Fernsehlotterie So schön, so leicht kann unser Leben sein. In den 1970er Jahren hatte er wieder grosse Erfolge mit volkstümlichen Melodien. Sein grösster Erfolg wurde 1976 La Pastorella, ein Lied, das inzwischen zu den Evergreens der deutschen Unterhaltungsmusik gehört. Das Lied wurde auch von zahlreichen anderen Interpreten aufgenommen.

Fernsehstar

Ab 1952 trat er im Fernsehen auf. 1955 war Torriani der erste zu erratende Gaststar in der Ratesendung Was bin ich? bei Robert Lembke. 1958 trat er in der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision de la Chanson (jetzt: Eurovision Song Contest) an. Er bekam zunächst in der Schweiz, später auch in Deutschland eigene Shows, wie Grüezi, Vico, Hotel Victoria und 1971 die Vico-Torriani-Show,[6] in denen zahlreiche Gaststars auftraten.

Zwischen 1967 und 1970 war er über viele Folgen hinweg Showmaster in der Fernsehsendung Der goldene Schuß im ZDF. 1977 war Torriani in der Tatort-Folge Drei Schlingen zu sehen.

Auszeichnungen und Ehrungen

Mit dem Schlager Capri-Fischer landete er 1982 auf Platz eins der vom Zweiten Deutschen Fernsehen produzierten Musikshow Die schönsten Melodien der Welt. 1995 erhielt er den Bambi Lifetime-Award zusammen mit Caterina Valente und Helmut Zacharias. Im selben Jahr wurde er mit dem Ehren-Prix-Walo ausgezeichnet.[7]

Am 24. Februar 2016 wurde im Hotel Reine Victoria in St. Moritz das Musical Hotel Victoria uraufgeführt. Es basiert auf der gleichnamigen Fernsehserie, die von 1961 bis 1968 von Vico Torriani moderiert wurde.[8]

Vico Torriani mit seiner Familie (1964)

Diskografie

Alben

Studioalben

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
 DE  AT  CH
1967 Im weißen Rössl[9] DE22
(8 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 15.09.1967

grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfügbar

Mitwirkung

Werkausgaben

Kompilationen (Auswahl)

Singles

Chartplatzierungen

Schellackplatte Addio Donna Grazia, 1952
Schellackplatte Bella, bella donna, 1953
Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
 DE  AT  CH
1954 Granada[10] DE1
(4 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1953
Tango der Nacht DE34
(4 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1954
Bon soir, bon soir DE3
(28 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1954
Malaguena DE13
(12 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1954
Tausend Mandolinen DE10
(28 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1954
1955 Grüß mir die Damen aus der Bar DE3
(28 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1955
In der Schweiz DE3
(24 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1955
Zwei Spuren im Schnee DE2
(20 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1955
1956 Domani DE6
(20 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1956
In einer kleinen Konditorei DE25
(8 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1956
1957 Torero DE23
(8 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1957
Verlieb dich in Lissabon DE15
(8 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1957
Mannequin aus Paris DE27
(4 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1957
Siebenmal in der Woche DE1
(24 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1957
Ananas aus Caracas DE3
(20 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1957
Muchacha DE24
(4 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1957
1958 Waikiki DE25
(4 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1958
Loana-Oh DE28
(4 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1958
Schön und kaffeebraun DE3
(20 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1958
1959 Piano DE49
(8 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1959
1960 Ave Maria no morro DE21
(24 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1960
Straße meiner Lieder DE35
(4 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1960
Romantica DE34
(8 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1960
Kalkutta liegt am Ganges DE2
Gold
Gold
[11]
(24 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1960
Sie war nicht älter als 18 Jahr' DE23
(8 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1960
1961 Café Oriental DE8
(12 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1961
Bon soir, Herr Kommissar
(Unterwelt-Tango)
DE38
(8 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1961
Juanita DE48
(8 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1961
Lebe wohl, kleine Frau DE43
(8 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1961
1962 Hafen-Casanova DE24
(4 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1962
Ching-Ching-Ching
(Happy José)
DE26
(8 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1962
Renata DE21
(16 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1962
1963 Hafen-Casanova DE7
(16 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1963
Lass uns mal ein Tänzchen wagen DE33
(3 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1963
1964 Ski-Twist DE27
(12 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1964
Aus jedem Land ein Souvenir DE25
(8 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 1964
Auf der Hütt’n (Hey, Hey, Hey) DE27
(12 Wo.)DE
AT8
(4 Wo.)AT
Erstveröffentlichung: 1964

grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfügbar

Weitere Singles (Auswahl)

Filmografie

Kinofilme

Fernsehen

Eigene Sendungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961–1968: Hotel Victoria (Fernsehshow)
  • 1967–1970: Der goldene Schuß (Fernsehshow)
  • 1971–1972 + 1979: Die Vico-Torriani-Show (Fernsehshow)

Gastauftritte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen

Publikationen

Literatur

Einzelnachweise

  1. last.fm
  2. Gemäss Gemeindeverwaltung Oberrüti, 26. August 2019
  3. H. Elias Fröhlich: Vico Torriani (†): Seine traurigen Jahre als Verdingbub In: Glückspost vom 8. März 2017
  4. Vico Torrianis Witwe ist tot in Blick, abgerufen am 24. Februar 2015
  5. SWR Sendereihe Ich trage einen großen Namen, Wiederholung vom 2. August 2015
  6. Fernsehserien.de
  7. Website von Prix Walo, abgerufen am 18. April 2017.
  8. Webseite des Musicals (Memento des Originals vom 24. Februar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.musical-hotelvictoria.ch
  9. Vico Torriani Alben. In: Chartsurfer.de. Abgerufen am 18. März 2018.
  10. Vico Torriani Songs. In: Chartsurfer.de. Abgerufen am 18. März 2018.
  11. Günter Ehnert: Hit Bilanz – Deutsche Chart Singles 1956–1980. 1. Auflage. Verlag populärer Musik-Literatur, Norderstedt 2000, ISBN 3-922542-24-7, S. 446.