Kunsthalle Wilhelmshaven

Kunsthalle mit Skulptur „Seemannsgarn“
von Leonard Wübbena
Daten
Ort Wilhelmshaven
Art
Architekt Harms und Sommerfeld
Eröffnung 1968
Leitung
Petra Stegmann
Website

Die Kunsthalle Wilhelmshaven ist ein Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst in Wilhelmshaven und die älteste Kulturinstitution der Stadt. Sie wurde im Jahr 1913 als Kaiser-Friedrich-Kunsthalle eröffnet. Die Gründung erfolgte auf Initiative des damaligen Chefs der Marinestation der Nordsee, Admiral Friedrich Graf von Baudissin (1852–1921), und sollte den Bewohnern der Stadt mit wechselnden Ausstellungen auch Bildende Kunst zugänglich machen.[1]

Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zog die Kunsthalle zunächst in eine von der Militärregierung zur Verfügung gestellte Baracke, bevor sie 1968 ein neues Gebäude am Adalbertplatz bezog. Die Wilhelmshavener Architekten Harms und Sommerfeld verwirklichten einen sachlich nüchternen, an Bauhaus-Vorbilder angelehnten Bau mit Elementen des Brutalismus, in dem seitdem eine große Vielfalt an Ausstellungen zu sehen war. Erster Leiter nach dem Krieg war der Künstler Siegfried Pagel, der auch das Betonrelief der Kunsthalle gestaltete.[2]

Geschichte

Kunsthalle Wilhelmshaven 2020, Foto: Lars Wohlnick
Kunsthalle Wilhelmshaven 2022, Foto: Edward Greiner

Die Geschichte der Kunsthalle ist mit dem am 10. Januar 1912 gegründeten Verein der Kunstfreunde für Wilhelmshaven-Rüstringen verbunden. Initiatoren waren der Chef der Marinestation der Nordsee, Admiral Friedrich Graf von Baudissin, und der Wilhelmshavener Oberbürgermeister Emil Bartelt. Zuvor hatten 300 Wilhelmshavener Bürger einen Aufruf zur Gründung einer Kunsthalle unterzeichnet. Das Ziel war es, die neu aufblühende Stadt „etwas schmackhafter zu gestalten, als es von der Natur geschehen ist“, wie von Baudissin betonte.[1]

Die Gründung der Kunsthalle war eine Gemeinschaftsanstrengung: Mit Unterstützung Kaiser Wilhelms II. konnte von Baudissin den Kaiser-Friedrich-Denkmal-Verein überzeugen, seine für ein Monument Friedrichs III. (der 1888 vor seinem Tod nur 99 Tage lang Deutscher Kaiser war) gesammelten Gelder, insgesamt 18.844 Mark, für den Bau der Kunsthalle zur Verfügung zu stellen. Die Marine trat einen Teil ihres „Offiziersspielplatzes“, eines Tennisplatzes an der Gökerstraße/Ecke Viktoriastraße, nur wenige hundert Meter vom heutigen Kunsthallengebäude entfernt, ab. Kaiser Wilhelm II. versprach Leihgaben aus anderen Museen des Reiches und unterstützte den Bau mit 12.648,20 Mark aus einem ihm persönlich unterstellten Förderfonds.[3] So wurde die Kaiser-Friedrich-Kunsthalle am 23. Februar 1913 nach einjähriger Bauzeit eingeweiht.[1] Seit 1915 entstand die Städtische Gemäldesammlung, in der regional bedeutende Künstler wie Johann Georg Siehl-Freystett, Poppe Folkerts und Bernhard Winter, ebenso wie überregional bekannte wie Lovis Corinth, Franz Radziwill, Paul Baum und Otto Modersohn mit einzelnen Werken vertreten sind. Schon 1934 wurde der Verein der Kunstfreunde durch den regimetreuen Oberbürgermeister von Rüstringen, Gustav Nutzhorn, auf NS-Kurs gebracht und nicht aufgelöst wie andere Kulturvereine.[4] Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kunsthalle zerstört – vom historischen Bau sind nur zwei Portalkugeln erhalten, die sich heute im Eingangsbereich der neuen Kunsthalle befinden.[5] Am 29. November 1945 konstituierte sich der Verein der Kunstfreunde für Wilhelmshaven zum zweiten Mal. Einstweiliger Ausstellungsort wurde eine von der Militärregierung zur Verfügung gestellte ausgediente Baracke, das „Kulturheim“ auf dem Gorch-Fock-Platz, nur wenige Meter vom alten Standort der Kunsthalle entfernt. Am Pfingstsonntag 1946 eröffnete der Ausstellungsbetrieb; ab 1958 wurde das im Volksmund „Kunstscheune“ genannte Gebäude von der Stadt Wilhelmshaven wieder offiziell Kunsthalle genannt. Das baufällige Übergangsgebäude, das kaum gesichert war, wurde 1967 durch einen Brand zerstört, während wenige Meter entfernt auf der Adalbertstraße bereits das aktuelle Kunsthallengebäude entstand.[6]

Architektur

Fassade der Kunsthalle, Betonrelief gestaltet von Siegfried Pagel. Foto: Lars Wohlnick

1962 hatte der Verein der Kunstfreunde für Wilhelmshaven eine „Denkschrift für den Neubau einer Kunsthalle“ vorgelegt. 1964 lobte die Wilhelmshavener Stadtverwaltung einen beschränkten Ideenwettbewerb mit fünf Wilhelmshavener Teilnehmern (Hans Günter Harms, Franz Iwersen, Willi Lübbers, Frank Sommerfeld, Stadtbauamt) für einen Neubau aus. Es gab keine Vorgabe für ein Raumprogramm, aber den Hinweis, dass der von Dieter Oesterlen 1957 für den Kunstkreis in Hameln errichtete Bau Inspiration sein könnte.[2] Da das Wettbewerbsergebnis uneindeutig war und kein erster Platz vergeben wurde, erhielten Hans Günter Harms und Frank Sommerfeld 1965 die Aufforderung, einen gemeinsamen Entwurf einzureichen. Am 3. März 1968 wurde der Neubau eingeweiht. In der Tradition der Bauhaus-Moderne entstand ein von Klinker und Beton geprägter Bau mit scharfen Profilen, flachen Dächern und ineinanderfließenden Räumen auf drei Ebenen, der ursprünglich größer geplant war.[2] So sollte das Gebäude an der westlichen Gartenseite weitere Ausstellungs- und Funktionsräume erhalten – anstelle des Gartens war nur ein kleines Atrium vorgesehen. Das Äußere der Kunsthalle ist geprägt von rotem Klinker, einem Sheddach über der Ausstellungshalle und einem 18 Meter langen, die Fassade dominierenden Relief, das der Wilhelmshavener Künstler und Kunsthallenleiter Siegfried Pagel schuf. Die Reduktion der verwendeten Materialien (weiße Wände, grauer Sichtbeton) und Formen im Innern der Kunsthalle soll eine hohe Konzentration auf den Raum und die hier gezeigte Kunst ermöglichen. Vier Treppen verbinden Souterrain, Parterre und Empore und machen unterschiedliche Rundgänge mit verschiedenen Perspektiven möglich. Die Räume der Kunsthalle werden sowohl für das Ausstellen von Malerei, als auch für Installationen, Performance-, Konzert-, Tanz-, Literatur- und Diskussionsveranstaltungen genutzt. Seit 2008 steht der Bau unter Denkmalschutz.[2]

Ausstellungen

Die Kunsthalle Wilhelmshaven zeigt vor allem Wechselausstellungen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Im Jahr werden etwa sechs Ausstellungen gezeigt. 2006/2007 war die Kunsthalle in ihrem Bestand durch politische Sparwünsche seitens der Stadtverwaltung bedroht, was abgewendet werden konnte. Zum einhundertsten Jahrestag des Vereins der Kunstfreunde für Wilhelmshaven zeigte die Kunsthalle 2012 die Ausstellung Zwischen Kaiseranspruch und Secession. Der Verein, die Stadt und ihre Kunstsammlung mit Landschaftsmalerei von Paul Baum, Walter Leistikow, Otto Modersohn und Johann Georg Siehl-Freystett.

Kunsthallenleitung

Einzelnachweise

  1. a b c Blaise Drummond, Lothar Götz, Thomas Hauri, Perry Roberts: Architektur in Bewegung 1968 - Kunsthalle Wilhelmshaven. Hrsg.: Viola Weigel. 1. Auflage. Brune-Mettcker-Druck- und Verlags GmbH, Wilhelmshaven 2008, ISBN 978-3-930510-98-6, S. 16 f.
  2. a b c d Niels Juister: Kunsthalle Wilhelmshaven. In: Lavesstiftung (Hrsg.): Aufbruch Architektur in Niedersachsen 1960 bis 1980. 1. Auflage. jovis Verlag GmbH, Berlin 2017, ISBN 978-3-86859-471-3, S. 94 f.
  3. Ursula Helf-Diederichs, Werner Franke, Hermann Lakeberg, Magda Mucha, Kamila Popovic: Kunst an der Jade - Wilhelmshaven 1912-1987. Hrsg.: Verein der Kunstfreunde Wilhelmshaven e.V. 1. Auflage. Plate Druck & Vertrieb GmbH, Wilhelmshaven 1987, S. 68 f.
  4. Ursula Helf-Diederichs, Werner Franke, Hermann Lakeberg, Magda Mucha, Kamila Popovic: Kunst an der Jade - Wilhelmshaven 1912-1987. Hrsg.: Verein der Kunstfreunde Wilhelmshaven e.V. 1. Auflage. Plate Druck & Vertrieb GmbH, Wilhelmshaven 1987, S. 127.
  5. Blaise Drummond, Lothar Götz, Thomas Hauri, Perry Roberts: Architektur in Bewegung 1968 - Kunsthalle Wilhelmshaven. Hrsg.: Viola Weigel. 1. Auflage. Brune-Mettcker-Druck- und Verlags GmbH, Wilhelmshaven 2008, ISBN 978-3-930510-98-6, S. 19.
  6. Blaise Drummond, Lothar Götz, Thomas Hauri, Perry Roberts: Architektur in Bewegung 1968 - Kunsthalle Wilhelmshaven. Hrsg.: Viola Weigel. 1. Auflage. Brune-Mettcker-Druck- und Verlags GmbH, Wilhelmshaven 2008, ISBN 978-3-930510-98-6, S. 21.

Koordinaten: 53° 31′ 19,6″ N, 8° 7′ 16,8″ O